Primär spielt noch immer die Palmöl- sowie Katuschukwirtschaft eine tragende Rolle. Aber auch neue Quellen wie die Biotechnologie einschließlich Agro- und Pharma-Biotech, Informations- und Kommunikationstechnologien oder die Modernisierung des Servicesektors, auch Tourismus einschließlich des Gesundheitstourismus rücken zunnehmend in den Mittelpunkt der Erschließungsvorhaben. Zu den weiteren Wirtschaftsbestrebungen des Landes zählen das Stärken kleiner und mittelständischer Unternehmen und das Vertiefen der wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China und Indien. Neue Möglichkeiten und Anreize für Inlandsinvestitionen werden in Aussicht gestellt, der Finanzsektor soll liberalisiert und die Ausbildung von Arbeitnehmern auf „Weltniveau“ durch eine Reform des Ausbildungssystems unterstützt werden. Aktuelle wirtschaftliche LageMalaysia ist in erster Linie Produktionsstandort für japanische, amerikanische und europäische Unternehmen der Elektronikindustrie und somit stark abhängig von der diesbezüglichen internationalen Entwicklung.
Wie alle exportorientierten Volkswirtschaften in Südostasien sieht sich auch Malaysia mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen im Gefolge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise konfrontiert. Die Eintrübung der Weltkonjunktur lässt sich an der Entwicklung des malaysischen BIP ablesen: Nachdem das BIP 2008 um 4,6 Prozent gewachsen war, senkte die Regierung Ende Mai 2009 die offizielle Wachstumsprognose für 2009 auf minus vier bis minus fünf Prozent. Internationale Institutionen rechnen mit einer Schrumpfung von bis zu 4,5 Prozent.
Das verarbeitende Gewerbe, das rund ein Drittel zum BIP des Landes beiträgt, bekommt den Konjunkturabschwung mit aller Härte zu spüren – die Umsätze gingen im April 2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26,2 Prozent zurück. Speziell der Stahl- und Eisensektor hatte drastische Einbrüche zu verkraften. Ähnlich erging es der Computerbranche, die ebenfalls stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft abhängig ist. Ihre Umsätze sind im Jahresvergleich um ein Viertel gesunken.
Infolge dieser Negativtendenzen hat sich die Zahl der Beschäftigten auf Jahressicht um 7,7 Prozent reduziert. Allerdings ist die Regierung bestrebt, den Stellenwert der verarbeitenden Industrie zu mindern, um die Begrenzungen eines Mitteleinkommenslandes überwinden zu können, was nur mit einem breiten Dienstleistungssektor gelingt. Insofern könnte die aktuelle Malaise zum Anlass genommen werden, die diesbezüglichen Anstrengungen zu intensivieren. Zu den Sparten mit Zukunftspotenzial gehören die Kfz-Industrie, die Möbelfertigung und der Spezialmaschinenbau. Allerdings sind diese Branchen auf zusätzliche ausländische Investitionen und einen externen Know-how-Transfer angewiesen.
Die Regierung hat zwei Konjunkturprogramme mit einem Gesamtvolumen von 67 Milliarden Malaysischen Ringgit lanciert. Schwerpunkte sind der Infrastrukturausbau, die Unterstützung des Privatsektors und staatliche Kreditgarantien ebenso wie Arbeitsmarktmaßnahmen und eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge. Der Fluss ausländischer Direktinvestitionen (FDI) nach Malaysia hat sich 2008 gegenüber dem Vorjahr erneut erhöht. Insgesamt etwa 10,4 Mrd. USD haben ausländische Investoren im Jahre 2008 in die malaysische Volkswirtschaft investiert. Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) machten in 2008 etwa 7,1% des BIP aus.
Entwicklungen & Trends Weitere Liberalisierung der Wirtschaft Die Regierung Najib hat auch eine zumindest graduelle Abkehr von der lange Zeit praktizierten Abschottung einzelner Teile der Volkswirtschaft eingeleitet. Ein erster Schritt in diesem Sinne war die Ende April 2009 getroffene Entscheidung, ausländischen Finanzinstituten die Möglichkeit zu geben, sich stärker im Markt zu engagieren. Dies bedeutete einen veritablen Paradigmenwechsel, hatte sich Malaysia doch im Nachgang der Asien-Krise von 1997 weitgehend von den internationalen Finanzströmen abgekoppelt.
Mit der Liberalisierung wird die Hoffnung verbunden, dass ausländische Investitionen in Zukunft einen größeren Beitrag zum Wachstum leisten. Im Juni wurde eine Reduzierung des obligatorischen malaiischen Anteils an börsennotierten Unternehmen von bisher 30 auf 12,5 Prozent angekündigt.
Eine weitere grundlegende Änderung stellt die Abschaffung der sogenannten Bumiputra-Regeln in einigen Dienstleistungssektoren dar, wonach Auslandsinvestoren stets ein Gemeinschaftsunternehmen mit ethnischen Malaien gründen mussten. Es bleibt abzuwarten, ob die im Jahr 1971 im Zuge der „neuen ökonomischen Politik“ (NEP) eingeführten Diskriminierungen von Nicht-Malaien auch in anderen Wirtschaftsbereichen reduziert werden.
Wachsende wirtschaftliche Verflechtungen mit Deutschland Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Malaysia sind seit vielen Jahren sehr eng und bestimmen im Wesentlichen das gute Verhältnis zwischen den beiden Ländern.
Deutschland ist der führende Handelspartner Malaysias unter den EU-Staaten und ein wichtiger ausländischer Investor.
Gemeinsame Gremien, wie die deutsch-malaysische Handelskammer (seit 1992) oder das German Malaysian Institute, das ebenfalls 1992 im Rahmen der deutsch-malaysischen Zusammenarbeit aufgebaut wurde und sich der Berufsausbildung junger Malaysier widmet, sind hierfür Beweise.
Deutschland ist unter den europäischen Ländern größter Investor in Malaysia. Die deutschen Unternehmen investierten dabei unter anderem in eine neue Wafer-Fabrik (Infineon), in Neubauten zur Herstellung von PBT, einem vorrangig im E & E-Bereich sowie von der Automobilindustrie genutzten Kunststoff, sowie in die Herstellung von Metallwaren und Chemieprodukten.
Insgesamt sind über 300 deutsche Unternehmen direkt in Malaysia vertreten, etwa 70 betreiben Produktionsstätten. Deutsche Unternehmen haben 2005 und 2006 ihre Aktivitäten in Malaysia weiter ausgebaut und investierten 2005 etwa 103 Mio. US-Dollar in elf Projekte, 2006 etwa 66 Mio. US-Dollar in 15 Projekte.
Malaysia wird zunehmend als regionale Drehscheibe für Südostasien genutzt. So eröffnete BASF sein Asia Pacific Shared Service Centre in Malaysia. Auch andere Firmen wie Robert Bosch, B.Braun, Siemens und Eppendorf haben internationale Versorgungszentren in Malaysia eingerichtet. So bezog DHL-Danzas ein neues Warenlager und regionales IT-Zentrum, BMW eröffnete ein Logistikzentrum und IT-Zentrum, wobei beide Standorte ebenfalls die Region Asien/Pazifik abdecken. Mit deutschen Investitionen wurden seit 1980 über 30.000 Arbeitsplätze in Malaysia geschaffen.
Malaysia steht als Handelspartner für Deutschland seit vielen Jahren mit Singapur an der Spitze der ASEAN-Staaten. Der Handelsaustausch umfasste 2008 ein Handelsvolumen von 8,38 Mrd. Euro. Deutschland ist Malaysias wichtigster Handelspartner in der EU und Handelspartner Nr. 10 weltweit.
Importe aus Malaysia Deutsche Exporte nach Malaysia 2004 3,62 Mrd. Euro 3,18 Mrd. Euro 2005 3,73 Mrd. Euro 3,20 Mrd. Euro 2006 4,01 Mrd. Euro 3,67 Mrd. Euro 2007 4,40 Mrd. Euro 4,20 Mrd. Euro 2008 4,43 Mrd. Euro 3,95 Mrd. Euro Deutsche Einfuhrgüter: Elektrotechnische Erzeugnisse, Büromaschinen, pflanzliche sowie technische Fette und Öle, Kautschukprodukte, chemische Vorerzeugnisse.
Deutsche Ausfuhrgüter: Maschinen, Kraftfahrzeuge, Luftfahrzeuge, Eisenwaren, pharmazeutische Erzeugnisse. Kostengünstige Konkurrenz zu Singapur Als kostengünstigere Alternative wirbt Malaysia Singapur aktiv Unternehmen ab. Große Erfolge konnten hier in der Schifffahrt verbucht werden, insbesondere mit der Gewinnung der dänischen Schiff-Fahrtslinie Maersk weg von Singapur. Zu nennen ist hier der Hafen von Tanjung Pelepas in der Nähe von Johor Bahru, der inzwischen zu dem am schnellsten wachsenden Hafen der Region aufgestiegen ist. Auch BMW hat sein Logistikzentrum von Singapur in das nahegelegene Johor verlagert.
Förderung von Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftstechnologien Während noch in den sechziger Jahren Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung dominierten, beträgt heute der Anteil der verarbeitenden Industrie am Bruttoinlandsprodukt fast 40 %. Die Exporte von Fertigwaren machen mehr als 80 % der Gesamtexporte des Landes aus.
Aufgrund der großen Konkurrenz Chinas als Investitionsstandort hat die Regierung die gesetzlichen Rahmenbedingungen u. a. für die Ansiedlung von regionalen Verwaltungs- und Logistikzentren sowie die ausländische Beteiligung an börsennotierten Unternehmen verbessert.
Um sich von der Exportabhängigkeit der elektronischen und elektrotechnischen Produkte zu lösen, will Malaysia die Entwicklungsprioritäten von der verarbeitenden Industrie hin zu einer Dienstleistungswirtschaft (Tourismus, Multimedia- und IT-Branche) – verschieben, aber auch Landwirtschaft und Nahrungsmittelerzeugung fördern.
Vision 2020 Zur Umsetzung der „Vision 2020 unternimmt Malaysia große Anstrengungen, die Umstellung von der Rolle der „verlängerten Werkbank hin zur „knowledge-based economy zu erreichen. Hierzu bedarf es unter anderem qualifizierter Ausbildung, besserer technischer Ausstattung insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen, verstärkter Forschung und Entwicklung sowie der Bereitschaft von MYS Partnern zum Know-How-Transfer.
Bereits jetzt ist abzusehen, dass sich die neue Regierung weniger auf die Realisierung neuer und teurer Investitionsobjekte konzentrieren wird, als auf die Konsolidierung des Erreichten und die weitere Diversifizierung der Wirtschaft. Im August 2006 stellte der Premierminister den „Dritten Wirtschafts-Masterplan 2006-2020“ (IMP3) mit dem Untertitel „Malaysia – Zur Globalen Konkurrenzfähigkeit“ der Öffentlichkeit vor. Ausbau und Förderung der Branchen Handel, Finanzinstitute und Dienstleistungen Ein wichtiger Bereich, in dem die von Premier Najib avisierte Reformoffensive bereits erste Resultate erbracht hat, ist der Dienstleistungssektor. Diese Schwerpunktlegung folgt dem Kalkül, den Transformationsprozess der malaysischen Volkswirtschaft zu einer Dienstleistungsökonomie gezielt voranzutreiben. Dabei soll in einem ersten Schritt bis zum Jahr 2020 der Anteil des Dienstleistungsgewerbes am BIP von derzeit 50 auf 66 Prozent gesteigert werden.
Als ein maßgeblicher Impuls hierfür soll die Ende April 2009 getroffene Entscheidung wirken, die Mindestbeteiligungsgrenzen für ausländische Investoren in 27 Subsektoren – zu denen etwa die Computer-, die Tourismus- und die Gesundheitsbranche wie auch unternehmensnahe Dienstleistungen gehören – aufzuheben. Mit diesem bahnbrechenden Schritt soll neben Kapital auch entsprechendes Know-how ins Land geholt werden. Vor diesem Hintergrund wird für das Jahr 2009 mit einem Branchenwachstum von 4,2 Prozent gerechnet, das sich 2010 auf 5,6 Prozent erhöhen soll.
Allerdings bleiben einige Branchen wie etwa der Mediensektor oder Rechtsberatung für Ausländer weiterhin verschlossen. In anderen Sparten gelten unterschiedlich hohe Beteiligungsgrenzen.
Speziell im Bankengeschäft wurden die Barrieren für ausländische Investoren gesenkt. Bis zum Jahr 2011 werden fünf neue Lizenzen erteilt, bei denen es keine Beteiligungsgrenzen geben soll. Ein weiterer Ansatz zur Promotion des Finanzstandortes Malaysia ist der Versuch, sich stärker als Plattform für Anlageformen, die mit dem islamischen Rechtssystem der Sharia kompatibel sind (Islam-Investments), zu positionieren. Wachstumsprognosen Zumindest mittelfristig dürften die Konjunkturmaßnahmen sowie die partiellen Liberalisierungen sicherstellen, dass Malaysia auf einen moderaten Wachstumskurs (Prognose 2009-2013: 2,3%) zurückfindet. Aufgrund des massiven staatlichen Einflusses auf das Wirtschaftssystem werden jedoch beträchtliche Wachstumschancen verschenkt.
Prognose 2010 + Strukturwandel von Industrie- zu Dienstleistungsökonomie geht weiter voran + Energieversorgung wird auf ein breiteres Fundament gestellt + Expandierende Logistikbranche kann von wieder anziehendem Welthandel profitieren – Innenpolitische Lage bleibt prekär – Bedarf an ausländischen Fachkräften nimmt zu
4 Rechtliche Grundlagen
Rechtliche Rahmenbedingungen für Investoren Malaysia hat mit Deutschland sowohl ein Doppelbesteuerungsabkommen als auch ein Investionsschutzabkommen geschlossen.
Für alle Investitionsfragen sind die folgenden Behörden zuständig: Investionsanreize in der Praxis Ausländische Investoren in der verarbeitenden Industrie wird die Ansiedlung einfach gemacht. Als Anlaufstelle für praktische die gesamte Projektgründung steht MIDA, Malaysian Industrial Development Authority, die auch in Köln eine Niederlassung unterhält, zur Verfügung.
Qualifizierte Hilfestellung bieten darüber hinaus deutsche Anwaltsozietäten in Kuala Lumpur und Singapur. Dieses wichtige Informationsnetzwerk gewinnt insbesondere bei der Eröffnung von Vertriebsbüros und bei Projekten im Dienstleistungsbereich an Bedeutung. Die in diesem Fall benötigten Lizenzen und Genehmigungen werden branchenabhängig von unterschiedlichen Behörden und Ministerien erteilt. Ausländische Investitionen, die bei Handel und Dienstleistungen in direkte Konkurrenz zur nationalen Wirtschaft treten, können verständlicherweise keine besonderen Fördermaßnahmen in Anspruch nehmen. Auch nach dem Beitritt Malaysias zur WTO kann das Land Sonderrechte zum Schutze der Entwicklung der eigenen Wirtschaft in Anspruch nehmen.
Marktzugangsbedingungen (von Rödl & Partner)
Investitionsrecht/Gesellschaftsformen Die Investitionsbedingungen in Malaysia sind traditionell gut und verlässlich. Malaysia hat als besonders kritisch geltende Restriktionen, insbesondere im Bereich der Währungsvorschriften, aufgehoben. In den meisten Industriezweigen ist die Beteiligung von Ausländern mit den erforderlichen Bewilligungen des Handelsministeriums erlaubt. Ausgenommen hiervon sind Unternehmen der öffentlichen Versorgung, wobei auch hier Lockerungen zu spüren sind. Die Guidelines des Foreign Investment Committee sehen für ausländische Beteiligungen Einschränkungen vor. Sie haben allerdings nicht den Status eines Gesetzes, ihre Nichtbefolgung kann aber mit Nachteilen verbunden sein, etwa bei der Erlangung behördlicher Genehmigungen.
Bei Großprojekten im Hochtechnologiesektor kann ein sogenannter Pionierstatus erlangt werden. Dieser führt dazu, dass für einen Zeitraum von 5 Jahren nur 30% (15% in Ostmalaysia) – in bestimmten Fällen sogar 0% – des zu versteuernden Einkommens zur Besteuerung herangezogen werden. Auch werden bei Investitionen von Ausländern diverse Steuerfreibeträge gewährt. Die Regelungen zur Einbeziehung lokaler Anteilseigner (sogenannte „Bumiputeras“) sind ausgesetzt und greifen nur, wenn Investitionsanreize in Anspruch genommen werden sollen, sowie zum Teil bei Ausschreibungen von Staatsunternehmen. Mehr zum Land des Monats findens Sie auf der CD-ROM Export-Plus der Bundesanzeiger Verlagsges., Köln. Quelle: Export Plus, CD-ROM, Bundesanzeiger Verlagsges. mbH, Köln
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