Auf Grund seines vergleichsweise unterentwickelten und international noch nicht voll integrierten Bankensystems ist Vietnam von den direkten Folgen der weltweiten Finanzkrise weitgehend verschont geblieben. Jedoch wirkt sich die Weltwirtschaftskrise stark auf die in hohem Maße von Zuflüssen ausländischer Direktinvestitionen und Exporten abhängige Wirtschaft aus.
Es bestehen jedoch beachtliche Wachstumschancen, wenn sich die Weltwirtschaft wieder erholt hat. Insbesondere in der südlichen Wirtschaftsmetropole Ho Chi Minh City spürt der Besucher die Geschwindigkeit und die Unruhe des Landes, das häufig als „der neue Tiger Asiens“ bezeichnet wird. Wirtschaftliche und politische Lage 2009 + Binnennachfrage ist erstaunlich stabil + Energieerzeugung wird auf eine breitere Grundlage gestellt + Infrastruktur soll systematisch ausgebaut werden – Meinungsfreiheit wird noch weiter eingeschränkt – Antikorruptionsmaßnahmen machen kaum Fortschritte – Boomphase im Tourismussektor findet vorläufiges Ende | Bruttoinlandsprodukt (BIP): | 89,8 Mrd. USD (2008)
| Bruttoinlandsprodukt (BIP):
| 89,8 Mrd. USD (2008)
| Wirtschaftswachstum:
| 6,2 % (2008)
| Pro-Kopf-BIP:
| 1.040 USD (2008)
| Pro-Kopf-BIP (Kaufkraftparität):
| 2.800 USD (2008)
| Inflationsrate:
| 23,1 % (2008)
| Arbeitslosenrate:
| 4,7 % (2008)
| Währung:
| Vietnamese Dong (VND) 1 USD = 16.708 VND (Durchschnitt 2008) 1 EUR = 24.559 VND (Durchschnitt 2008)
| Exporte (FOB):
| 62,7 Mrd. USD (2008)
| Importe (CIF):
| 75,5 Mrd. USD (2008)
| Handelsbilanz:
| –12,8 Mrd. USD (2008)
| Außenverschuldung:
| 25 Mrd. USD (2008)
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| Exporte (2008) % | Importe (2008) % | | Rohöl 16,7 | Maschinen & Maschinenteile 17,0 | | Textilien & Bekleidung 14,5 | Erdölprodukte 13,5 | | Schuhe 7,5 | Stahl 8,1 | | Meeresfrüchte 7,3 | Stoffe 5,5 | | | | | Export-Märkte (2008)% | Import-Märkte (2008) % | | USA 18,9 | China 19,4
| | Japan 13,6 | Singapur 11,6
| | China 7,2 | Taiwan 10,4 | | Australien 6,7 | Japan 10,2 |
Aktuelle wirtschaftliche Lage In dem Maße, wie Vietnams Integration in die Weltwirtschaft weiter fortschreitet, erhöht sich auch die Verwundbarkeit des Landes bei einer Abschwächung der Weltkonjunktur. Im Vergleich zu den anderen asiatischen Exportökonomien ist Vietnam sogar besonders anfällig. Der Anteil der Ausfuhren beträgt drei Viertel der Wirtschaftsleistung. Entfallen die Hauptabsatzmärkte (USA, EU, Japan) gemeinsam, gerät das Wirtschaftsmodell rasch in die Krise.
Dieser Umstand schlägt sich umgehend in einem Absacken der Wachstumszahlen nieder: Konnte 2008 noch ein BIP-Wachstum von 6,2 % vermeldet werden, liegt die Prognose für 2009 nur bei einem Plus von etwa 3,3 % (1. Quartal 2009: +3,1 %). Zwar dürften die diversen Maßnahmen zur Konjunkturbelebung wie eine Lockerung der Eigenkapitalvorschriften für Banken, Zinssubventionen und Steuerbefreiungen für Unternehmen, Maßnahmen zur Hebung der Binnenkaufkraft sowie diverse Infrastrukturprojekte einen Beitrag zur Stabilisierung leisten, wie weit diese Schritte reichen, muss aber abgewartet werden.
Insgesamt sollten für 2009 Konjunkturmittel in Höhe von 8 Mrd. US-Dollar bereitgestellt werden, was 8 % des BIP entspricht. Zur Dämpfung der sozialen Auswirkungen der Krise wird eine Reihe von Sozialtransfers organisiert.
Landwirtschaft von hoher Bedeutung Wichtigster Wirtschaftszweig Vietnams ist die Landwirtschaft. Obwohl ihr BIP-Beitrag kontinuierlich auf zuletzt unter 20 % zurückgegangen ist, beschäftigt sie nach wie vor 65 % der Bevölkerung. Einer der größten Erfolge der Reformpolitik, die Senkung der Armutsrate auf 20 %, hat seine Ursachen auch darin, dass die ländliche Bevölkerung ein höheres Einkommen erwirtschaftet. Vietnam ist weltweit größter Exporteur von schwarzem Pfeffer, zweitgrößter Reis-, Kaffee- und Cashewnussexporteur. Weitere wichtige Agrarprodukte sind Fisch und Meeresfrüchte, Tee sowie Kautschuk. Dynamischer als die Landwirtschaft wächst der Industriesektor: Die Industrieproduktion (einschließlich Bausektor) leistete 2005 mit +10 % einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Wachstum. Der Beitrag der verarbeitenden Industrie zum BIP ist auf 41 % gestiegen. Hervorzuheben ist in erster Linie die Verarbeitung von Bekleidung, Schuh- und anderen Lederartikeln sowie die Bautätigkeit und Automobilmontage. Im Südchinesischen Meer wird Rohöl und Gas gefördert, mit dem neue Industrien wettbewerbsfähig werden könnten, sobald das Land – voraussichtlich ab 2009 – über eigene Raffineriekapazitäten verfügt.
Die Touristenzahlen konnten auf rund vier Millionen gesteigert werden. Der BIP-Beitrag des Dienstleistungssektors dürfte realwirtschaftlich höher liegen als offiziell ausgewiesen. Dienstleistungen werden vielfach auch von der offiziell nicht erfassten Schattenwirtschaft (informeller Sektor) erbracht.
Wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland Die bilateralen Beziehungen besitzen eine besondere Qualität. Annähernd 100.000 Vietnamesen leben in Deutschland, 100.000 Menschen in Vietnam sprechen Deutsch. Der im September 2008 erfolgten Eröffnung der Vietnamesisch-Deutschen Universität in Ho-Chi-Minh-Stadt, die durch das Bundesland Hessen und das BMBF finanziell unterstützt wird, kommt hierbei besondere Bedeutung zu. Gleiches gilt für die Ende August 2009 eröffnete Internationale Deutsche Schule in Ho-Chi-Minh-Stadt.Deutschland unterstützt nicht nur den wirtschaftlichen Transformationsprozess Vietnams: Mit Ausbildungsprogrammen, Seminaren u. a. soll Vietnam beim schrittweisen Aufbau einer unabhängigen Judikative unterstützt werden. Ein weiteres, für die Zukunft der Zusammenarbeit wichtiges Vorhaben ist die Errichtung eines Deutschen Hauses in Ho-Chi-Minh-Stadt, die derzeit vorbereitet wird. 2010 wird aus Anlass des 35. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen in Vietnam ein Deutschland-Jahr (und in Deutschland ein Vietnam-Jahr) gefeiert. Deutschland größter Handelspartner Deutschland bleibt Vietnams mit Abstand größter Handelspartner innerhalb der Europäischen Union: 2008 wurde ein Handelsvolumen von 3,4 Mrd. Euro realisiert. Wichtigste vietnamesische Exportprodukte nach Deutschland sind – in dieser Reihenfolge – Bekleidung (Gesamtwert 2008: 380 Mio. USD), Schuhe (370 Mio. USD), Robusta-Kaffee (260 Mio. USD), Meeresfrüchte (200 Mio. USD) und Holzprodukte (130 Mio. USD). Deutschland stellt sowohl für vietnamesischen Kaffee wie auch für schwarzen Pfeffer aus Vietnam den weltweit größten Markt dar. Mit Abstand wichtigstes vietnamesisches Einfuhrprodukt aus Deutschland sind Maschinen und Ausrüstungsgegenstände, 2008 im Gesamtwert von 950 Mio. USD.
Für deutsche Unternehmen von besonderem Interesse ist die Tatsache, dass Vietnam bis 2020 „Industrieland“ werden möchte – ein Bemühen, das sich in der Praxis in einem rasch steigenden Bedarf an Maschinen und Ausrüstungsgegenständen äußert. Auf Grund eines in Vietnam generell rasch wachsenden Qualitätsbewusstseins sowie wegen des hervorragenden Rufs, den Produkte Made in Germany in Vietnam genießen, profitieren deutsche Industrieprodukte von dieser Entwicklung in besonderem Maße. Im Juli 2006 wurde ein neues Unternehmens- und ein Investitionsgesetz verabschiedet. Die Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmer und Investoren haben sich dadurch verbessert. Der am 11. 1. 2007 erfolgte Beitritt Vietnams zur Welthandelsorganisation (WTO) hat die Attraktivität des vietnamesischen Marktes weiter erhöht, wenngleich die Liberalisierung nicht in allen Sektoren gleich schnell voranschreitet.
Die Auslandshandelskammer unterhält Büros in Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi. In der Deutschen Kaufmannschaft sind inzwischen rund 150 Unternehmen organisiert. Seit August 2008 arbeitet in Hanoi eine Korrespondentin von Germany Trade and Invest (GTAI, vormals Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai)).
Seit 1997 findet jährlich wechselnd in Deutschland und Vietnam das Deutsch-Vietnamesische wirtschaftspolitische Dialogforum statt. Die siebte Sitzung hat anlässlich des Deutschlandbesuchs von Premierminister Dung am 6. 3. 2008 in Berlin stattgefunden. Ein Termin für die achte Sitzung steht noch nicht fest. Vietnam braucht den Export Vietnam ist eine in hohem Maße exportabhängige Volkswirtschaft, die Ausfuhren machen 75 % des Bruttoinlandsprodukts aus. Die USA haben ihre Rolle als wichtigster Absatzmarkt im Jahre 2008 weiter festigen können, dorthin wurden vietnamesische Waren im Gesamtwert von 11,6 Mrd. USD geliefert, mehr als in die neun ASEAN-Partner zusammen (10,2 Mrd. USD). Dahinter folgen die EU (knapp 10 Mrd. USD) und Japan (8,8 Mrd. USD). Bei den Lieferländern dominieren die Partner aus Asien, mit großem Abstand führend bleibt China, das 2008 Waren im Wert von 15 Mrd. USD nach Vietnam exportiert hat, gefolgt von Singapur (knapp 10 Mrd. USD), Taiwan (gut 8 Mrd. USD) und Japan (knapp 8 Mrd. USD). Die EU exportiert Waren im Wert von 5,4 Mrd. USD nach Vietnam. Zölle/Handelsbestimmungen Vietnam hat seine Handelspolitik auf Importbeschränkungen (z. B. Quotenregelung für Baustahl und Zement) ausgerichtet. Es werden Zollsätze zwischen 0 und 150 % erhoben. Güter, die direkt in eine Wirtschaftsförderungszone eingeführt und dort weiterverarbeitet werden, unterliegen nicht der Zollpflicht. Importe sind lizenzpflichtig. Vietnam ist Mitglied der Association of South East Asian Nations (ASEAN) und der ASEAN Free Trade Area (AFTA). Seit 2007 hat Vietnam 98 % seiner Zollsätze dem Common-Effective–Preferential-Tariff-Schema (CEPT) angepasst. Entwicklungen & Trends Seit Anfang der 90er Jahre befindet sich die Wirtschaft Vietnams in einem Übergangsprozess von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft mit „sozialistischer Orientierung“. Diese schrittweise betriebene Erneuerungspolitik (Doi Moi) hat bemerkenswerte wirtschaftliche Erfolge erzielt, u. a. hohe Wachstumsraten und enorme Exportsteigerungen.
Der Außenhandel trägt inzwischen 75 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Gleichzeitig werden seit einigen Jahren strukturelle Probleme sichtbar, die bisher nur zögerlich angegangen werden. Dazu gehören die Umstrukturierung der defizitären Staatsbetriebe, die Modernisierung des Finanz- und Bankensektors, der Aufbau einer effizienten Verwaltung und rechtsstaatlicher Strukturen.
Bei Partei und Regierung verstärkt sich die Einsicht, dass ohne eine erfolgreiche Entwicklung des Privatsektors die Wachstums- und Beschäftigungsziele kaum zu erreichen sind. Die neue Gesetzgebung (Unternehmens- und Investitionsgesetz, beide seit 1. 7. 2006 in Kraft) trägt dem Rechnung, indem privatwirtschaftliches Engagement gefördert und Verfahren vereinfacht werden.
Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts betrug 2005 und 2006 mehr als 8 %. Damit ist Vietnam die am zweitschnellsten wachsende Volkswirtschaft in der Region (hinter China). Hierbei bilden die Exporte den Wachstumsmotor Nr. 1. Dabei bleibt Rohöl das mit Abstand wichtigste Exportprodukt, dahinter folgen Bekleidung/Textilien, Schuhe und Fischprodukte/Meeresfrüchte.
Feiertage 2010 | 01. Jan. | Neujahr | | 7.–9. Febr. | Tet, Neujahr (Mondkalender) | | 23. April | Gio-to-Hung-Vuong-Tag | | 30. April | Tag der Befreiung von Saigon | | 01. Mai | Tag der Arbeit | | 02. Sept. | Nationalfeiertag |
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